Verstaatlicht und gleichgeschaltet: Der unrühmliche Niedergang der Printmedien

Früher stand in der Zeitung, was der Käufer lesen wollte, heute, was erlesen soll. Die Printmedien haben ihre Kundschaft ausgetauscht. Noch Anfang der 2000er produzierten sie für die Leser, heute für das politmediale Establishment. Zeitungen und Magazine können ohne Werbegelder der öffentlichen Hand nicht mehr überleben. Sie haben sich selbst verstaatlicht. Zur Freude und zum Nutzen der Herrschenden.

An jeder größeren Straßenecke in Wien stand vor der Jahrtausendwende ein sogenannter Kolporteur in gelber Jacke mit dem Kronenzeitungsschriftzug am Rücken und verkaufte an Passanten und Autofahrer Zeitungen. In den Trafiken waren die Regale voll mit einer bunten Auswahl an Tageszeitungen und Magazinen. Diese Zeiten sind lang vorbei. Die Zeitungskolporteure sind aus dem Straßenbild verschwunden und in den Supermärkten und Trafiken gibt es fast nur noch Illustrierte für ältere Damen, Rätselhefte und Comics für die Kleinen. Immer weniger Menschen geben Geld für Zeitungen und Magazine aus, immer weniger lesen sie. Wozu auch, im Internet gibt es die Infos schneller und gratis.

Die Auflagenzahlen der Printmedien sind mit wenigen Ausnahmen eingebrochen. Die Kronenzeitung hatte 1995 noch eine Reichweite von über 40 Prozent, im vergangenen Jahr waren es gerade noch 23. Das Nachrichtenmagazin Profil ist von 8,5 Prozent auf 3,2 abgestürzt. Der Verkauf von Zeitungen und Zeitschriften ist aufgrund solcher Entwicklungen längst kein Geschäft mehr und auch die Inserateneinnahmen sind dramatisch zurückgegangen, weil die großen US-Konzerne mit ihren Plattformen wie Google, Facebook, YouTube und Instagram den Altmedien den Rang abgelaufen haben.

Für Tageszeitungen und Magazine bleibt nicht mehr viel vom Werbekuchen übrig. Trotzdem existieren die meisten Pressetitel nach wie vor. Das haben sie in erster Linie dem Staat zu verdanken. Die Verlagshäuser haben sich den Entwicklungen am Medienmarkt angepasst und ihre Geschäftsmodelle umgestellt, ihre Kundschaft ausgewechselt.

Früher produzierten sie die Inhalte für die Käufer ihrer Printprodukte. In deren Auftrag kontrollierten sie die Regierungen und die Mächtigen. Man war den Käufern der Zeitungen verpflichtet. Damals traf die Bezeichnung der Medien als „Vierte Gewalt“ im Staat noch mehr oder weniger zu. Jetzt produziert man Zeitungen und Magazine für jene, die man früher kontrolliert und kritisiert hat. Jetzt sind die Mächtigen ihre Kundschaft und Finanziers. Das politische Establishment hat die Zeitungskrise genutzt und die Blätter in beiderseitigem Einvernehmen de facto verstaatlicht. Die großen Massenmedien dienen der Regierung nun als Sprachrohr und Propagandainstrument. Besonders deutlich wurde das während der Corona-Pandemie.

Printmedien verkaufen keine Informationen mehr, sondern Meinungen und Haltungen.

Weil alle großen Medien für dieselbe Kundschaft produzieren, nämlich das Establishment, steht auch in allen Mainstreammedien mehr der weniger das gleiche. Kritik an den zentralen politischen Zielen und Fragen wie Massenmigration, Genderismus Klimawahn oder Corona-Maßnahmen finden nur noch in Internet und den alternativen Medien statt. Die Zeitungen drucken keine Informationen mehr, sondern nur noch Meinungen. Und die entsprechen in der Regel der ihrer staatlichen Geldgeber. Der opportunistische Lohnschreiber nennt sich heute stolz Haltungsjournalist.

Die großen Printmedien haben sich aus finanziellen Gründen in ein Abhängigkeitsverhältnis begeben. So wie viele andere Gruppen im linken Umverteilungsstaat hängen sie nun am staatlichen Tropf. Das erspart ihnen große Redaktionen, Recherche ist bei Meinungsjournalismus nicht mehr notwendig, und den Konkurrenzkampf am Leser- und Werbemarkt. Vom, öffentlich-rechtlichen Staatsrundfunk unterscheidet sie nur noch das bedruckte Papier. Das kann man nicht nur am Inhalt der Blätter erkennen, das lässt sich auch gut mit Zahlen und Fakten belegen. Allein im vergangenen Jahr hat die öffentliche Hand in Österreich offiziell 225 Millionen Euro für Werbung ausgegeben. Jene Werbeausgaben, die nicht unter das „Medienkooperations- und -förderungs-Transparenzgesetz“ fallen, nicht mitgerechnet.

Davon kommen 45 Millionen von der Bundesregierung, 37 Millionen von der Stadt Wien, 16 von der Wirtschaftskammer etc. Obendrauf gibt es diverse Förderungen. Ohne diesen staatlichen Geldsegen könnten die meisten Zeitungen nicht mehr erscheinen. An die Kronen Zeitung flossen vergangenes Jahr 24 Millionen Euro an Werbegeldern von der öffentlichen Hand, an Heute und Österreich jeweils rund 14 Millionen an den Kurier 11.

Diese Millionen werden von den Ministerien, dem Wiener Rathaus, Kammer und vielen anderen öffentlichen Stellen nach Gutsherrenart ohne gesetzliche Regeln und Kontrollen verteilt. So hat Infrastrukturministerin Leonore Gewessler 2020 um weit mehr als zwei Millionen Euro in den drei Boulevardblättern „Kronen Zeitung“, „Heute“ und „Österreich“ inserieren lassen.

Ob die Inserate des Infrastrukturministeriums oder der Gemeinde Wien tatsächlich einen Werbeeffekt oder Informationswert haben, spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Selbstredend erwarten sich die Geldgeber eine entsprechend entgegenkommende Berichterstattung. Dass man die Hand, die einem füttert, nicht beißt, muss dabei nicht extra erwähnt oder schriftlich festgehalten werden.

Solche Inserate der Stadt Wien mit zweifelhaftem Werbeeffekt und Informationsgehalt sichern dem Falter das wirtschaftliche Überleben.

Der Verleger Eugen Russ (Vorarlberger Nachrichten etc.) sagte bei einer Podiumsdiskussion vor einigen Wochen: „Die Stadt Wien hat mit all ihren Firmen ein Werbebudget von 85 bis 90 Millionen Euro. Glaubt wirklich jemand, dass die Wiener so vergesslich sind, dass sie quasi fortlaufend wöchentlich, ganzseitig im Boulevard erinnert werden müssen, dass sie eine Müllabfuhr haben oder dass es in dieser Stadt eine U-Bahn gibt? Möglicherweise gibt es da auch andere Interessen, die zu diesen Inseratenflüssen führen.“ Möglicherweise …

Wer von diesen massiven Geldflüssen aus Wien besonders profitiert ist „Der Falter“. In der Linksaußenpostille finden sich kaum Werbeanzeigen aus der Privatwirtschaft, des Blatt lebt zu einem Gutteil von Inseratengeldern der öffentlichen Hand, insbesondere der Stadt Wien. Dementsprechend deckt der Falter Skandale aus dem Umfeld der Wiener SPÖ nicht auf, sondern zu, und geht gegen Kritiker und Gegner seiner Werbekundschaft publizistisch vor. Bei kaum einem anderen Medium wie dem Falter zeigt sich dieses wechselseitige Abhängigkeitsverhältnis zwischen Medium und Finanziers so deutlich. So diente die Vermarkung des Ibiza-Skandal der Absicherung dieses einträglichen Geschäftsmodells, das durch die türkis-blaue Regierung gefährdet war, und es war eine Art Service für die linke Werbekundschaft aus dem staatlichen und staatsnahen Bereich, die ihre politischen Gegner ebenfalls dringend loswerden musste.

Erst vor kurzem appellierte Falter-Chefredakteur Florian Klenk auf Twitter, man dürfe keinesfalls das peinliche Videotelefonat von Bürgermeister Michael Ludwig mit dem falschen Vitali Klitschko veröffentlichen. Der Krankenhaus-Nord-Skandal, bei dem die Stadt Wien hunderte Millionen Euro in den Sand gesetzt hat, wurde vom Falter mehr oder weniger ignoriert und dem grünen Ex-Stadtrat Christoph Chorherr, der sich wegen Amtsmissbrauchs und Bestechlichkeit vor Gericht verantworten muss, macht das linke Wochenblatt die publizistische Mauer. Am Verhältnis zwischen Falter und Wien kann man dieses neue Geschäftsmodell der österreichischen Printmedien sehr gut studieren. Der Kunde ist König, und der König ist in diesem Fall die rote Stadtregierung. Respektive die linken Kräfte, die hier den Ton angeben. Mittlerweile machen die Inserate der öffentlichen Hand bei den meisten Printmedien bis zu 40 Prozent der Werbeerlöse aus – beim Falter dürfte der Anteil deutlich höher sein. Darauf kann und will kein Blatt verzichten.

Weil der Leser bei der Finanzierung kaum noch eine Rolle spielt, werden immer mehr Medien verschenkt. „Heute“ und „Österreich“ sind die bekanntesten Gratisblätter. Aber auch immer mehr sogenannte Kaufmagazine müssen, um überhaupt noch Auflagen erzielen zu können, verramscht und gratis verteilt werden. So werden etwa Zeitschriften wie „Woman“, die alle auf politisch korrekter, woker Linie liegen, ungefragt gratis an Haushalte versandt.

Auch diese Geschäftspraktik zeigt, wer der eigentliche Kunde solcher Medien ist, nicht der Leser, dem muss man die Printmedien mittlerweile regelrecht aufdrängen, sondern jene, die sie finanzieren. Deshalb müssen sich auch die Bürger bzw. Leser an der Nase nehmen. Wer nicht bereit ist, für Qualität und Unabhängigkeit zu zahlen, der bekommt eben nicht das, was er lesen will, sondern was er lesen soll: Propaganda, Desinformation, linke Haltung etc.

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