Editorial

Blop!

Die etablierten Medien stecken in einer Krise. Einer Glaubwürdigkeitskrise. Begonnen hat der massive Vertrauensverlust der Menschen in Presse und Rundfunk im Herbst 2015. Damals wurde der klassische Journalismus zu Grabe getragen. Die Medienmenschen sahen während der Masseneinwanderungswelle aus der Dritten Welt ihre wichtigste Aufgabe nicht darin, die Menschen zu informieren, sondern sie zu erziehen, zu steuern, für gute Stimmung zu sorgen. Für Willkommensstimmung. Daran hat sich seither nichts geändert. Der journalistische Ausnahmezustand ist längst zum Normalfall geworden.

Der vorläufige Höhepunkt dieser medialen Dauerkrise sind die bekannt gewordenen Lügenmärchen des Claas Relotius, die vor allem vom Spiegel, aber auch von anderen linken Flaggschiffmedien verbreitet wurden. Der Fall Relotius hat ein grelles Licht auf den Zustand und die Verfasstheit der Mainstreammedien geworfen. Der junge Journalist war in der linken Medien- und Meinungsblase Everybody’s Darling. Seine süßlich-kitschigen Multikulti-Märchen über arme Flüchtlingswaisenkinder, böse Trump-Fans und gütige Orientalen wurden mit Preisen überhäuft.

Er ließ syrischen Kindern Mutti Merkel im Traum erscheinen, erfand einen Flüchtling, der eine große Geldsumme fand und zurückbrachte und erzählte von einem weinenden Kapitän auf einem Migrantenrettungsschiff. Rosamunde Pilcher für Gutmenschen. Relotius verkündete die multikulturelle Frohbotschaft und wurde dafür gleich vier Mal mit dem Deutschen Reporterpreis, dem Österreichischen Zeitschriftenpreis, dem Katholischen Medienpreis, dem European Press Prize ausgezeichnet, CNN machte ihn zum Journalisten des Jahres. Und das ist nur ein Auszug.

Weil Relotius schrieb, was die Vertreter der neosozialistischen Multikulti-Ideologie sich erträumten, wollte keiner der Preisverleiher, der Verleger und Leser mitbekommen haben, dass viel von dem, was er schrieb, frei erfunden war. Es war ihnen egal, Haltung und Moral zählen mehr als Fakten. Den Wahrheitsanspruch und die Deutungshoheit hat die Linke ohnehin.

Relotius hat geliefert, was die linke Blase wollte. Er hat die triste und oftmals blutige Multikulturalität mit seinem Gutmenschenkitsch erfreulicher und heller gemacht. In seiner Märchenwelt war der Flüchtling der „edle Wilde“, eine Erlöserfigur aus dem Orient, die uns schuldbeladene und zivilisationsgeschädigte Europäer bereichert und errettet. „Der Flüchtling“ wurde so idealisiert dargestellt, wie der nichtlinke Westler dämonisiert wurde. Relotius beschrieb etwa amerikanische Trump-Fans in einer Fake-Reportage so, wie es der gemeine Linke gerne hätte: als primitive, schießwütige, ausländerhassende Hinterwäldler. Moralische Selbsterhöhung und Stärkung der Wir-Gruppe durch Erniedrigung des Gegners. Journalismus wie aus den dunklen Zeiten des vorigen Jahrhunderts. Im Spiegel.

Relotius malte die Welt, wie sie den Linken gefällt. 2015 war der große Bruch, seither gibt es in der Mainstreampresse de facto keine Trennung mehr zwischen Meinung und Information. Zu jedem Informationshäppchen wird die dazugehörende linke Deutung und Meinung mitgeliefert. Selbst das Wetter – Stichwort Klimawandel – ist mittlerweile hochideologisch. Der moderne linke Journalist – nichtlinke gibt es ja so gut wie keine – gibt sich nicht damit zufrieden, Berichterstatter zu sein, er ist Politaktivist, Volkspädagoge, Missionar und Welterklärer. Darunter macht er es nicht.

Dafür verzichtet er, wie der preisgekrönte Relotius, immer öfter komplett auf die Berichterstattung und beschränkt sich auf das Erzählen seiner moralischen Geschichten. Auch der österreichische Staatsschriftsteller Robert Menasse hat in seinem Kampf gegen den Nationalstaat ganz einfach historische Zitate erfunden. Der Zweck heiligt die Mittel, was zählt, ist die „richtige Haltung“.

Die Medien sehen sich nicht mehr als vierte Gewalt, die die Mächtigen unabhängig von politischer Ausrichtung kontrolliert, sondern als die Hüter und Verbreiter der politisch korrekten Moral, der linken Ideologie und als Wegbereiter für das linke Multikulti-Utopia. Man hat sich zum politischen Player, zur moralischen Instanz aufgeschwungen, erzählt den Menschen, was gut und falsch ist, was sie zu tun, zu denken und zu wählen haben.

In Österreich haben aufgrund des erbärmlichen Zustands der Linksparteien der ORF und seine linken Satellitenmedien wie Falter und Profil die Rolle der Opposition selbst übernommen. Doch die Bewohner der linken Meinungsblase überschätzen sich und ihre Außenwirkung, die seit Herbst 2015 mit dem Aufstieg der alternativen Medien dramatisch geschwunden ist.

Obwohl die großen österreichischen Medien täglich die türkis-blaue Regierung und ihre Arbeit in den Dreck ziehen, von seriöser Kritik kann man nicht sprechen, ist ihre Beliebtheit in der Bevölkerung gleichbleibend hoch. Das spricht für die Regierung und gegen die Mainstreammedien.

Man sollte sie aber auch nicht unterschätzen, vor allem nicht in Deutschland, wo ZDF, Spiegel, Süddeutsche, Zeit oder taz zur bestimmenden politischen Kraft aufgestiegen sind. Schließlich orientiert Merkel ihre Politik vor allem an der von diesen Leitmedien veröffentlichten Meinung. Sie setzt um, was die linksgrüne politmediale Klasse vorgibt: Energiewende, Eurorettung, Massenzuwanderung, Zensurgesetze etc.

Für die Grenzöffnung im September 2015 sind diese Medien mindestens genauso verantwortlich wie Angela Merkel. Die Bundeskanzlerin wollte es ihnen recht machen, wollte unschöne Bilder in TV und Presse vermeiden. Seither versucht sie – wie man es von Mr. Bean kennt – ihren Fehler mit immer neuen Fehlern wie den Migrationspakt zu kaschieren und richtet damit ein immer größeres Schlamassel an.

Die deutschen Mainstreammedien beeinflussen und steuern nicht nur die Politik, sie haben auch ein Klima der Angst und des Hasses geschaffen. Wer alle Andersdenkenden, alle, die nicht im Multikulti-Jubelchor mitsingen, permanent als Nazi, als Pack, als braune Brühe bezeichnet, wer Dissidenten zu Untermenschen degradiert, der bereitet den Boden für Gewalt. Mit dieser Strategie ist man erfolgreich, wie die vielen Attentate und Attacken auf die einzige nichtlinke deutsche Oppositionskraft, die AfD, zeigen.

Deutschland befindet sich längst in einer postdemokratischen Phase. Wir stehen an einer Wende: Gesellschaft, Politik und Medien. In vielen Ländern, darunter auch Österreich, hat sich der Wind gedreht, dort kämpft der linke tiefe Staat mit allen Mitteln gegen seine Demontage. Nur in Deutschland folgen die Bürger noch immer brav und weitgehend widerspruchslos den politisch korrekten Rattenfängern und ihren Herolden. Aber auch im „alternativlosen“ Merkel-Deutschland werden alternative Medien und Meinungen trotz des enormen öffentlichen Drucks populärer und unterspülen das neosozialistische Machtfundament.

Um diese Entwicklungen, um dieses komplexe Machtgefüge aus Politik, Medien, Staat und Gesellschaft geht es in diesem Heft.

Ich wünsche Ihnen eine spannende und aufschlussreiche Lektüre.

Werner Reichel
Chefredakteur